Connected Business Technologie Software-definierte Fahrzeuge und KI: die nächste Evolutionsstufe der Automobilbranche 10. April 2026 Die Automobilindustrie durchläuft gerade einen tiefgreifenden Wandel. Fahrzeuge werden nicht mehr ausschließlich über ihre Hardware definiert, sondern zunehmend über die Software und die Intelligenz, die sie antreiben. Der Aufstieg softwaredefinierter Fahrzeuge (SDVs) beeinflusst bereits jetzt grundlegend die Entwicklung und Aktualisierung von Autos. Nun zeichnet sich die nächste Entwicklungsstufe ab: der Übergang zu KI-definierten Fahrzeugen, bei denen künstliche Intelligenz zu einem zentralen Bestandteil der Fahrzeugplattform wird. Warum sich die SDV-Entwicklung verändert Die Verlagerung zu zentralisierten Rechenplattformen ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu softwaredefinierten Fahrzeugen. Diese Architekturen beschleunigen die Softwareentwicklung, unterstützen neue Monetarisierungsmodelle und befähigen Automobilhersteller, KI- und ADAS-Funktionen (Advanced Driver Assistance Systems) effizienter einzusetzen. Was heute passiert, erinnert in gewisser Weise an die Anfänge der Fahrzeugvernetzung: ein gut sichtbarer und strategisch bedeutsamer Übergang, der in der Branche jedoch unterschiedlich definiert und umgesetzt wird. Softwaredefinierte Fahrzeuge sind bereits auf den Straßen unterwegs, doch der Wandel verläuft schrittweise. SDVs ermöglichen die Software-basierte Steuerung, Aktualisierung und Erweiterung von Fahrzeugfunktionen. Der aufkommende Begriff der KI-definierten Fahrzeuge (AIDVs) hingegen beschreibt die nächste Stufe dieser Entwicklung. In einem AIDV interpretiert künstliche Intelligenz verstärkt den Kontext, lernt aus Daten und beeinflusst das Fahrzeugverhalten in Echtzeit. In diesem Sinne bildet das SDV die architektonische Grundlage, während das AIDV die Intelligenzschicht beisteuert, die Fahrzeuge anpassungsfähiger und reaktionsschneller gegenüber Nutzer:innen und ihrer Umgebung macht. Vier Entwicklungen prägen den Übergang zu SDVs Zentralisierte Rechenplattformen Automobilhersteller bewegen sich zunehmend in Richtung zentralisierter Rechenplattformen, die Fahrzeugfunktionen in weniger, aber leistungsstärkeren Recheneinheiten bündeln. Dadurch lässt sich der Lebenszyklus des Fahrzeugs durch Remote-OTA-Updates besser steuern. Diese Architektur schafft einen Kontaktpunkt zwischen Hersteller und Kunden, auch nach dem Verkauf. Dieser Architekturwandel eröffnet ein neues Geschäftsmodell: Ein Fahrzeug, das im Laufe der Zeit relevante Software- und UX-Verbesserungen erhält, fördert eine kontinuierliche Kundenbindung und eröffnet neue Monetarisierungschancen. Flexible Antriebsportfolios Automobilhersteller passen auch ihre Antriebsstrategien an. Anstatt die Elektrifizierung nach einem einheitlichen globalen Fahrplan voranzutreiben, setzen viele OEMs auf flexiblere Portfolios, die batterieelektrische und hybride Motoren mit Verbrennern kombinieren. Regulatorische Veränderungen, regionale Marktbedingungen und Kostendruck fordern einen pragmatischeren Ansatz. Elektrofahrzeuge bleiben eine strategische Priorität, jedoch zunehmend mit stärkerer regionaler Ausrichtung. Regional übergreifende Partnerschaften zwischen OEMs Die Bedeutung von Partnerschaften zwischen Automobilherstellern über Regionen hinweg wächst. Einige der technologisch fortschrittlichsten, elektrisch betriebenen SDVs stammen derzeit von chinesischen Herstellern. Gleichzeitig gehen etablierte Automobilhersteller Partnerschaften und Joint Ventures mit chinesischen OEMs ein. Durch diese Kooperationen können traditionelle Hersteller ihre Softwareentwicklung beschleunigen, während chinesische Unternehmen ihren Markteintritt in westlichen Märkten vorantreiben. SDV-Architektur ebnet den Weg für KI-definierte Fahrzeuge Während sich viele Automobilhersteller noch in einer frühen Phase ihres SDV-Übergangs befinden, konzentrieren sich Branchenvorreiter bereits auf die nächste Entwicklungsstufe: KI-definierte Fahrzeuge (AIDVs). In diesen Architekturen ist künstliche Intelligenz nicht nur eine Anwendungsschicht, sondern ein grundlegender Bestandteil der gesamten Fahrzeugplattform. KI-definierte Fahrzeuge legen die Grundlage für anpassungsfähigere Fahrzeugsysteme, schnellere Softwareentwicklungszyklen und intelligentere Nutzererlebnisse im Fahrzeug. Wie Marktveränderungen die Strategien der Automobilhersteller prägen Die Entwicklung softwaredefinierter Fahrzeuge und die Veränderung von Marktbedingungen haben bereits dazu geführt, dass mehrere etablierte Automobilhersteller ihre Strategien überdenken. Flexible Antriebsportfolios werden voraussichtlich auch in Zukunft die Automobilindustrie prägen. Gleichzeitig investieren Automobilhersteller in zentralisierte Rechenplattformen und modulare Fahrzeugarchitekturen, die verschiedene Antriebsarten unterstützen. Zugleich tragen sie dazu bei, die Komplexität in der Entwicklung zu reduzieren, skalierbare OTA-Updates zu unterstützen und neue softwarebasierte Einnahmequellen zu erschließen. Viele etablierte Automobilhersteller müssen zwei Prioritäten abwägen: bestehende Marktpositionen sichern und zugleich die technologische Grundlage für die nächste Generation der Mobilität schaffen. Wie Automobilhersteller auf einen reifenden BEV-Markt reagieren Diese technologischen Entwicklungen passieren parallel zu bedeutenden Veränderungen im globalen Markt für batterieelektrische Fahrzeuge. Wie ich in meinem vorherigen Artikel erläutert habe, tritt der BEV-Markt in eine Phase der Reifung ein – und zugleich in eine Phase stärkerer regionaler Divergenz. In den meisten Regionen der Welt wächst die Nachfrage nach batterieelektrischen Fahrzeugen, auch wenn die Gesamtfahrzeugverkäufe in Europa zurückgegangen sind. Südostasien gehört zu einer der am schnellsten wachsenden Regionen bei der BEV-Adoption, China weist weiterhin die insgesamt stärkste Nachfrage nach BEVs auf. Chinesische Automobilhersteller dominieren ihren Heimatmarkt, und viele etablierte globale Marken haben dort nach wie vor Schwierigkeiten, eine starke Position aufzubauen. Automobilhersteller ziehen sich nicht von der Elektrifizierung zurück. Sie richten ihre Strategien neu aus mit einem Fokus auf Kostenkontrolle, Profitabilität und regionsspezifische Ansätze. Wie die starke BEV-Nachfrage in Südostasien zeigt, werden aufstrebende Märkte eine besonders wichtige Rolle bei der Gestaltung der nächsten Phase der BEV-Entwicklung spielen. Ebenso wird die zunehmende Verbreitung von KI nahezu alle Aspekte der Entwicklung von BEVs, SDVs und AIDVs prägen. Die Rolle von KI in der Automobilentwicklung Der Einsatz von KI in der Automobilbranche verlagert sich dabei zunehmend von experimentellen Ansätzen hin zu einer systematischen Integration entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Diese Integration betrifft mehrere Bereiche: Entwicklung und Engineering KI beschleunigt die Softwareentwicklung durch Simulationen, automatisierte Tests und virtuelle Validierungsumgebungen. Damit beschleunigt sie Entwicklungszyklen und macht sie weniger komplex. Nutzererlebnis im Fahrzeug KI ist zudem in der Lage, stärker personalisierte Erlebnisse im Fahrzeug zu schaffen. Zukünftige generative KI-Assistenten könnten Navigation, Ladevorgänge, Infotainment und die Interaktion mit dem Fahrer in Echtzeit steuern. Betrieb und vernetzte Dienste KI kann vernetzte Fahrzeugservices von einem reaktiven zu einem vorausschauenden Ansatz weiterentwickeln. So können Systeme beispielsweise Ladebedarfe vorhersagen, die Fahrzeugleistung optimieren oder Sicherheitsrisiken erkennen, bevor es zu Vorfällen kommt. Fahrzeugplattformen und ADAS KI spielt künftig zudem eine zentrale Rolle bei der Wahrnehmung und Entscheidungsfindung in fortschrittlichen Fahrerassistenzsystemen und autonomen Fahrtechnologien wie Vision-Language-Action-(VLA)-Modellen. KI-basierte Modelle verbessern die Objekterkennung in Echtzeit, das Verständnis von Fahrspuren und die Leistungsfähigkeit von Fahrerassistenzsystemen. Wie geht es weiter in der Entwicklung von SDVs und AIDVs? WirelessCar steht seit Langem an der Spitze der SDV-Entwicklung und arbeitet eng mit seinen Kunden zusammen, um KI-definierte Fahrzeuge Realität werden zu lassen. Wir begleiten diese Veränderungen – einige klein, andere tiefgreifend – weiterhin und halten Sie über die wichtigsten Entwicklungen in dieser Phase beispiellosen Wandels in der Automobilindustrie auf dem Laufenden. Meinen vorherigen Artikel zu diesen Entwicklungen sowie Beiträge zu Themen wie KI in der Compliance, Open-Source-Software und vieles mehr finden Sie hier im WirelessCar Insights Blog. William Ranåsen Market Intelligence Analyst Kontakt